Wetterballon der FOT2
Die Rahmenrichtlinien für die Fachoberschule Technik sehen vor, dass ein technisches Projekt eigenständig geplant, durchgeführt und ausgewertet wird. In diesem Jahr hat sich eine Gruppe für einen Wetterballon entschieden, der Luftdruck und Temperatur messen sowie Videos aufnehmen sollte. Darüber hinaus sollte das Verhalten verschiedener Flüssigkeiten bei veränderlichem Luftdruck und variierender Temperatur untersucht werden. Neben der technischen Umsetzung mussten die Schüler auch die rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen, insbesondere eine Aufstiegsgenehmigung bei der Luftfahrtbehörde einholen.
Nachdem der Start unseres Wetterballons witterungsbedingt bereits zweimal verschoben werden musste, konnte er am 2. Mai 2025 endlich starten. Um zu verhindern, dass der Ballon im Meer landet, musste kurzfristig leider auf die Untersuchung der Flüssigkeiten verzichtet werden, da eine höhere Masse die Aufstiegsgeschwindigkeit reduziert und somit die Flugstrecke verlängert.
Nach einem Bilderbuchstart machten wir uns auf den Weg zum berechneten Landeort in der Nähe von Boltenhagen an der Ostsee. Kurz vor unserer Ankunft erhielten wir ein GPS-Signal, das zu unserer Überraschung aus der Nähe von Kaliningrad in Russland kam.
Vom Startort bei Kirchwalsede bis zum Signalort sind es etwa 750 Kilometer Luftlinie. Das Signal wurde 3 Stunden und 7 Minuten nach dem Start empfangen, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von rund 240 km/h entsprechen würde – was jedoch unrealistisch ist.
Zunächst gingen wir von einem fehlerhaften GPS-Signal aus. Nachdem wir in Boltenhagen vergeblich auf eine Aktualisierung des Signals gewartet hatten und uns mit einem Eis über die Enttäuschung hinwegtrösten wollten, machten wir uns auf den Heimweg – ohne Styroporsonde, Messwerte und Bildmaterial. Die auf der Sonde angegebenen Kontaktdaten waren zu diesem Zeitpunkt unsere größte Hoffnung. Auf dem Heimweg erfuhren wir, dass es seit einiger Zeit im Ostseeraum zu sogenanntem GPS-Spoofing kommt, bei dem GPS-Geräte falsche Standorte anzeigen. Daraufhin kontaktierten wir mehrfach den Anbieter unseres GPS-Trackers und ließen den Tracker zurücksetzen – leider ohne Erfolg. Über den Anbieter erfuhren wir zudem, dass die Übermittlung des GPS-Signals über das deutsche Mobilfunknetz erfolgte und somit definitiv nicht aus Russland stammte. Die Stimmung war dennoch gedrückt.
Am Tag nach dem Start stand für die Klasse ein Besuch des Studieninfotags an der Hochschule Bremen auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin erhielt einer der Schüler einen Anruf vom Anbieter des GPS-Trackers. Kurze Zeit später lag ein brauchbares Signal aus der Nähe von Selmsdorf bei Lübeck vor. Allen war klar, dass die Sonde noch am selben Tag geborgen werden musste.
Nach dem Studieninfotag machten wir uns mit allen verfügbaren Mitgliedern der Projektgruppe auf den Weg zum Landeort. Da Satellitenbilder darauf hindeuteten, dass es sich um ein Waldstück handelt, organisierten wir kurzfristig Material, um die Sonde bei Bedarf aus einem Baum zu holen. Nachdem wir alles beisammen hatten, machten wir uns auf den Weg.
Vor Ort mussten wir uns erst durchs Unterholz schlagen, ehe wir die Sonde in einer Baumkrone in etwa acht Metern Höhe entdeckten. Der Fallschirm hatte sich dort verfangen. Nun begann die Bergung, die etwa eine Stunde dauerte. Nachdem wir die Sonde schließlich in den Händen hielten, konnten wir zunächst spektakuläre Bilder von den Kameras betrachten.
Danach stand der Heimweg an. Vorher zeigten mir die Schüler noch ein bekanntes Schnellrestaurant von innen, das ich seit über 15 Jahren nicht mehr betreten hatte. Nach einem Stau in Hamburg kamen wir erschöpft, aber glücklich gegen Mitternacht wieder an der Schule an.
Heute arbeiten die Schülerinnen und Schüler von zuhause aus an der Auswertung der gesammelten Daten und des Videomaterials. Morgen wird die Präsentation stattfinden. Ende nächster Woche werden voraussichtlich auch ein Video und der Abschlussbericht vorliegen.
K. Lüning






